Abschied von Neu-Atlantis — Untergang des globalen Abendlandes

Platon lässt grüßen. Denkt an (Neu-)Atlantis. — Sogar Neo-Aristoteliker haben es begriffen: Der Precht lehnt die vom Staat anerkannten Götter ab, will neue Gottheiten einführen und verdirbt die Jugend.

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»Es ist ein häufiges Phänomen, dass Menschen sich vor Diskussionen über den Klimawandel drücken. Manchmal bewusst, häufig unbewusst. Das menschliche Gehirn ist sehr gut darin, unangenehme Themen auszublenden, auch wenn ein solches Verhalten irrational ist. Mit Blick auf die Politik kann ich es mir nur so erklären, dass die Lösungen, die ja eigentlich auf der Straße liegen, bei vielen Politikern eine Scheu hervorrufen, weil sie Angst haben, das komme in der Öffentlichkeit schlecht an. (…)

Auch ich mag keine kalten, grauen Novembertage, wenn der Himmel wie ein feuchter Scheuerlappen über der Stadt hängt, und ich freue mich, wenn ich den ersten Kaffee schon Ende Februar im Straßencafé trinken kann. Aber Klimawandel heißt eben nicht, dass es nur ein bisschen wärmer wird und der Frühling früher beginnt. Es heißt auch lebensbedrohliche Hitze im Sommer, Dürren sowie häufigere und stärkere Starkregen. Wenn wir den Klimawandel nicht drastisch bremsen, ist das schöne Leben in Deutschland futsch. Dann werden wir in erheblichem Maße an Wohlstand und Sicherheit verlieren. (…)

Natürlich wird an Strategien geforscht, um besser mit dem veränderten Klima klarzukommen. Wir haben zum Beispiel mit Agrarforschern gesprochen, die sagen ganz klar, Winterweizen – die wichtigste Getreideart in Deutschland – wird ein Verlierer des Klimawandels sein. Winterweizen braucht einen feuchten Herbst, damit die Saat vor dem Winter aufgeht. Doch künftig werden die Böden im Herbst vielfach dafür zu trocken sein. Deswegen experimentieren die Forscher jetzt mit Hirse, Soja und Kichererbsen. Aber die Umstellung ist eine riesige Herausforderung für die Landwirtschaft. Und wir werden uns nur anpassen können, wenn wir den Klimawandel bremsen. Ein starker Klimawandel, auf den wir im Moment noch zulaufen, wird nicht beherrschbar sein. Da ist dann auch die beste deutsche Ingenieurkunst machtlos. (…)

Eine Untersuchung eines internationalen Forscherteams hat ergeben, dass bei ungebremsten Emissionen bis zum Jahr 2070 rund 19 Prozent der weltweiten Landfläche eine Durchschnittstemperatur von 29 Grad haben werden. Bisher trifft das auf 0,8 Prozent zu, etwa auf die Sahara. Bei einer Durchschnittstemperatur von 29 Grad ist es an vielen Tagen so heiß, dass man im Freien nicht arbeiten und sich auch ohne Kühlung kaum fortbewegen kann. Unter Katastrophenschützern, beim Internationalen Roten Kreuz und bei den zuständigen UN-Organisationen gibt es ein hohes Bewusstsein dafür. Bei der Weltbank erscheinen schon seit einiger Zeit Studien dazu, was in einer heißeren Welt passieren wird. Das wird Fluchtbewegungen zur Folge haben, die sich aber zum großen Teil in den jeweiligen Regionen abspielen werden. Man sollte deshalb eher nicht erwarten, dass hunderte Millionen Leute in Europa an die Tür klopfen. Interessieren muss uns das aber trotzdem – zum Beispiel, weil die deutsche Wirtschaft davon abhängig ist, ihre Güter in alle Welt zu verkaufen. In einer sehr viel heißeren Welt werden viele Abnehmerstaaten häufiger von Extremwetter getroffen, etwa von Hurrikans; die werden dann unter Umständen nicht mehr das Geld haben, weiter so viele unserer Produkte zu kaufen. Auch Lieferketten können hitzebedingt zusammenbrechen. Der Nachschub für die deutschen Unternehmen an Rohstoffen, an Aluminium etwa oder Kupfer, wird durch Extremwetter instabiler und teurer. (…)

Ich bin vor allem ratlos. Die Klimakrise ist der weiße Elefant im Raum, den niemand sehen will. Es ist die zentrale Bedrohung des künftigen Wohlstands, kommt aber viel zu selten vor. Natürlich ist das nicht das einzige Thema, aber es beeinflusst alle anderen. Beispiel Rente: Wenn die Wirtschaft unter den Folgen des Klimawandels leidet, hier in Deutschland oder weltweit, dann werden heutige Diskussionen über Rentenreformen eine Fußnote sein.«

»Aristoteles ist bis heute prägend durch logische Methodik, empirische Prüfung überlieferter Meinungen und philosophisches Vokabular. Als erster formt er ein System der formalen Logik: er erarbeitet eine vollständige Theorie der Urteile und Schlussfolgerungen, der Definitionen und Beweise, der wissenschaftlichen Einteilungen und Methoden. (…) Damit kann das Maß, in dem Aristoteles die Denkweise der westlichen Welt bis heute beeinflusst hat, kaum zu hoch eingeschätzt werden. (…) Während in seiner Erkenntnistheorie allgemeingültige Aussagen Vorrang vor Einzelerscheinungen haben sollen, stehen in seiner Metaphysik die Universalien hinter den Einzelobjekten zurück. Jene gelten sogar als überflüssig, da sie nur „Dopplungen“ der Realien darstellen. Da Gott (nicht „die Götter“!) die Zweckursache allen Handelns ist, muss sich die Welt immer weiter entwickeln – eine positivistische Religion.«

»Forschung und Technik können die Welt verbessern. Daran glaubte der englische Philosoph Francis Bacon. Im Frühbarock entwarf er seine Utopie «Neu-Atlantis» – das Porträt einer Insel, auf der Forscher frei experimentieren können. Diese Utopie inspirierte seine Zeitgenossen und wirkt bis heute nach. (…) Heute ist Francis Bacons Traum wahr geworden. Die Zivilisation im Westen hat ziemlich genau den Kurs eingeschlagen, den sich der Philosoph in seiner Wissenschaftsutopie ausgemalt hat. Dabei sind allerlei nützliche Dinge herausgekommen, von der Dampfmaschine bis zum Antibiotikum. So friedlich wie auf Bensalem ist dieser Fortschritt allerdings nicht vonstatten gegangen.«

»Die Apologie des Sokrates (altgriechisch Ἀπολογία Σωκράτους Apología Sōkrátous) ist ein Werk des antiken Philosophen Platon. Es handelt sich um eine literarische Gestaltung der Verteidigungsrede (Apologie), die Platons Lehrer Sokrates vor dem athenischen Volksgericht hielt, als er im Jahr 399 v. Chr. wegen Asebie (Gottlosigkeit) und Verführung der Jugend angeklagt war. Angefügt sind seine Stellungnahmen zum Strafmaß und zum Ausgang des Verfahrens. Die Apologie besteht somit aus drei aneinandergereihten Reden, die der Angeklagte nach dieser Darstellung am selben Tag in verschiedenen Phasen des Gerichtsverfahrens hielt. Seine Argumentation verhinderte den Schuldspruch nicht. Sokrates wurde zum Tode verurteilt und hingerichtet. (…) Der Apologie zufolge agierte er als Repräsentant der Handwerker und der Politiker, die an Sokrates’ Tätigkeit Anstoß nahmen. Er war ein radikaler Gegner der Sophisten, die als Lehrer auftraten und zu denen Sokrates von seinen Kritikern gezählt wurde, obwohl er sich scharf von ihnen abgrenzte. (…) Nach der Apologie trat Meletos im Namen der Dichter auf, deren Gegnerschaft sich Sokrates [ebenfalls] zugezogen hatte, während Lykon die politischen Redner repräsentierte, denen der angeklagte Philosoph verhasst war.«

»Die Apologie des Sokrates vor dem Gericht (altgriechisch Ἀπολογία Σωκράτους πρὸς τοὺς Δικαστάς, Apologia Sokratūs pros tūs Dikastas) wurde von dem antiken Historiker Xenophon verfasst. Xenophon, als Jüngling Schüler des Philosophen in Athen, weilte während des Prozesses gegen Sokrates nicht mehr in der Stadt (er war auf dem „Zug der Zehntausend“, s. Anabasis). Dieser Text in der Variante des Xenophon gibt die Verteidigungsrede des Sokrates zur von Meletos eingereichten am Areopag öffentlich ausgehängten Anklage wieder. Die Ankläger forderten die Todesstrafe. Sokrates war angeklagt worden wegen der Einführung neuer Gottheiten bzw. atheistischer Blasphemie gegenüber den Göttern des Stadtstaates und der Verführung der Jugend zum Ungehorsam gegenüber den Eltern. (…) Nach der Verurteilung und dem Tod des Sokrates im Jahre 399 v. Chr. entstand eine Vielzahl literarischer Apologien. Diese Texte versuchten den Meister nachträglich gegenüber den Vorwürfen der Gottlosigkeit (gr. Asebie) und der (trotz antiker Knabenliebe nicht sexuell, sondern pädagogisch gemeinten) Jugendverführung zu verteidigen. Erhalten geblieben sind einzig die stilisierte Verteidigungsrede nach Platon und die sehr viel kürzere Version des Xenophon. Beide Texte stellen den Sokrates in ihrer eigenen Sicht dar, wobei sich trotz gewisser Unterschiede auch einige strukturelle und inhaltliche Gemeinsamkeiten nachweisen lassen.«

»Ich finde bei Platon ein Denken, das auf signifikante Weise anders ist als die geistige Matrix der Gegenwart und im Prinzip der ganzen abendländischen Philosophie nach ihm. Das hat damit zu tun, dass seine Schaffenszeit in eine Epochenschwelle fällt: Platon ist so etwas wie die Abendröte der mythischen Welt. Ich verstehe seine Philosophie als das Projekt, die Weisheit des 7., 6. und 5. Jahrhunderts v. Chr. in die neue Sprache des Logos zu übersetzen. Diese alte, aus der mythischen Religion der alten Griechen herrührende Weisheit deutet das Sein der Welt als ein lebendiges Geschehen nach Maßgabe des Wachsens und Welkens der vegetativen Welt: als physis. Die Neuzeit denkt das Sein der Welt nach Maßgabe dessen, was auf Griechisch téchnē heißt, als ein Her- oder Festgestellt-Sein. Dieser letztgenannten geistigen Matrix verdanken wir unsere neuzeitliche Wissenschaft, Technik und Ökonomie – aber auch den Klimawandel und gravierende soziale Verwerfungen. (…) In einem berühmten Interview aus der Jahre 1966 sagte Martin Heidegger vor dem Hintergrund der neuer Informationstechnologie (in seiner Sprache „Kybernetik“), dass weder Philosophie noch Wissenschaft die allfällige Transformation der Weltgesellschaft herbeiführen könnten, sondern: „Nur ein Gott kann uns noch retten.“ In seinen „Nomoi“ sagt Platon: „Gott ist das Maß aller Dinge“, wobei der Gott, von dem er spricht, nichts anderes ist als das lebendige, schöne und stimmige Sein des Kosmos. Das Sein selbst zum Maß aller Dinge zu nehmen und uns dem Anspruch der Welt zuzuwenden, anstatt unserem eigenen Willen mit seinen Interessen und Bedürfnissen zu frönen und selbst fortwährend Ansprüche an die Welt zu erheben: Das dürfte das Programm einer geistigen Transformation sein, die die Menschheit heute braucht. Deshalb: Ja, wir werden den Herausforderungen von Klimawandel und digitaler Transformation nur gewachsen sein, wenn wir nicht länger uns selbst zum Maß aller Dinge machen, sondern eine neue Re-ligio – eine neue Rückbindung – an die lebendige Natur, an das Sein der Welt wagen. Sehr schön hat das der britische Romancier D.H. Lawrence auf die zutiefst platonische Formel gebracht: „Vitally the human race is dying. We are like a uprooted tree with its roots in the air. We must plant ourselves again in the universe.“«

Christoph Quarch: Platon und die Folgen.

»Der Attische Seebund, nach den Perserkriegen 50 Jahre zuvor noch ein freiwilliges Verteidigungsbündnis freier griechischer Städte, war inzwischen zu einem reinen Macht- und Zwangsinstrument Athens geworden und diente nun dem Ausbau und der Sicherung der Hegemonie Athens im Raum des Ägäischen Meers (siehe auch Pentekontaetie). In Athen wurden zudem die so genannten Langen Mauern gebaut, die die Stadt mit ihrem Hafen Piräus verbanden und so gegen Bedrohungen vom Festland immun machten. Der Peloponnesische Bund unter Führung Spartas stellte jedoch ein effektives Gegengewicht zu den Bestrebungen Athens dar, den Herrschaftsbereich des Seebundes auszuweiten. (…) Athen, zu dieser Zeit auf dem Höhepunkt seiner kulturellen Blüte (perikleisches goldenes Zeitalter; Bau des Parthenon, der Propyläen), war eine Demokratie. Spartas Herrschaftsform dagegen war eine Mischverfassung, wobei die Spartaner außenpolitisch aber traditionell Oligarchien bevorzugten. Dieser Gegensatz bestand auch bei den jeweiligen Verbündeten. Wie wichtig dieser ideologische Gegensatz war, zeigt sich in der Tatsache, dass Sparta nach Kriegsende im besiegten Athen sofort eine Oligarchie einführte. Es gab eine aus heutiger Sicht paradox anmutende Situation: Das demokratische Athen stand für Unterdrückung der nach Unabhängigkeit strebenden Poleis, während Sparta – eine Militärgesellschaft, die die Demokratie ablehnte und einen Großteil der eigenen Bevölkerung, die Heloten, brutal unterdrückte – die Rolle des Verteidigers der Freiheit Griechenlands spielte.«

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