Vulkane, Erdbeben, Meteoriten und Zivilisationen

Nach jahrelangen Ausgrabungen und Forschungen am Toten Meer haben Archäologen eine neue wissenschaftliche These zum Untergang von Sodom und Gomorra aufgestellt: Nicht Gott sondern ein Meteorit hatte in die Geschichte eingegriffen. Das ist wissenschaftlich sicher logisch. Ein Gott der im Zorn mit Meteoriten um sich wirft, müsste in der heutigen Vorstellung eine Art Marvel-Superheld sein.

Aber im Fall Sodom und Gomorra wurde schon früher ein Meteorit ins Spiel gebracht. Als archäologischer Beweis gilt dabei die Himmelsscheibe von Ninive aus sumerischer Zeit. Dieses Schriftzeugnis beschreibt die Flugbahn eines Objekts am Himmel und läßt eine genaue Datumsangabe zu. Sumerische Astronomen hatten das Objekt am 29. Juni 3123 v. Chr. beobachtet. Geologisch wurde die Angabe aus Sumer mit dem sogenannten Köfels-Einschlag in den Ötztaler-Alpen in Verbindung gebracht. Von den unmittelbaren Zerstörungen in Mitteleuropa abgesehen, soll es rund um das Mittelmeer Staub und Schwefel geregnet haben. Jedenfalls passte das Szenario scheinbar gut zur biblischen Erzählung über Sodom und Gomorra. Die neue These passt aber noch viel besser ins biblische Bild. Gut 1600 Jahre nach dem Köfels-Einschlag im fernen Mitteleuropa soll ein weiterer Meteorit über dem Toten Meer im heutigen Jordanien explodiert sein. Also genau in der Region in die Sodom und Gomorra laut Bibel verortet werden.

Interessant könnte die neue archäologische These vom Toten Meer aber auch für die große Frage zum Kollaps der bronzezeitlichen Staatenwelt im Nahen Osten und östlichen Mittelmeer werden. Um 1200 v. Chr. brachen nicht nur die reichen Kleinstaaten im heutigen Palästina, Libanon und Syrien plötzlich zusammen. Auch das Reich der Hethiter und das expandierende Mykene wurden von den Ereignissen überrollt.

Archäologisch und geologisch sind für die Spätbronzezeit rund um das Mittelmeer geradezu Serien von schweren Erdbeben bezeugt. Zudem waren europäische Vulkane äußerst aktiv. Auch wenn es bei der genauen Datierung sehr schwierig wird, sticht es doch geradezu ins Auge dass die blühende bronzezeitlich-mediterrane Globalisierung in eine tektonisch sehr aktive Zeit geriet. Berühmt in diesem Zusammenhang ist die Thera-Eruption (Minoische Eruption) in der Ägäis. Das Sodom und Gomorra zur selben Zeit (um 1600 v. Chr) auch noch einen außerirdischen Volltreffer erhielten mutet zwar arg grotesk an, aber Gottes Plan gehört kategorisch nicht in die Dimensionen menschlicher Logik.

Die moderne Geschichtsschreibung datiert die Bronzezeit von etwa 3300 bis 800 v. Chr. Die namensgebende metallurgische Technologie entstand zunächst im Nahen Osten zwischen Anatolien und Palästina. Vielleicht auch zeitgleich in Indien und China. Parallel zur Entwicklung der Metallurgie entstanden die ersten zweifelsfreien Schriftsysteme. Entlang großer Flüsse bildeten sich die ersten Staaten in Ägypten, Mesopotamien, Indien und China. Um 2200 v. Chr. gab es zwischen Ägypten und Anatolien sowie der Ägäis und dem Persischen Golf Hochkulturen die direkt oder indirekt wirtschaftlich eng miteinander vernetzt waren. Die Handelswege reichten bis Zentralasien und zur Ostsee. Das zentrale Einzugsgebiet dieser bronzezeitlichen Globalisierung bildeten die großen Staaten der Ägypter, Hethiter und Assyrer. Daneben existierten viele kleinere Staaten. Sie gerieten immer wieder zwischen die Fronten der Großmächte, wurden zu Vasallen degradiert, konnten aber auch als Pufferzonen und Drehscheiben ihre Selbständigkeit bewahren. Eine besondere Rolle unter diesen kleinen Staaten oder Kulturräumen sollten die Minoer spielen. Auf Kreta waren sie vom Zugriff der großen Mächte durch das Meer geschützt und entwickelten die erste Thalassokratie, d.h. das erste maritim-kommerziell ausgerichtete Staatsgebilde der Menschheitsgeschichte.

Als Anfang vom Ende für die mediterrane Weltordnung kann die Thera-Eruption gelten. Der Vulkanausbruch auf der heutigen ägäischen Insel Santorin war für die betroffenen Menschen sicher eine große Katastrophe. Als der Vulkan explodierte wurde auch ein Tsunami ausgelöst. Dieser traf vor allem die Nordküste Kretas. Genau dort hatten sich die Minoer als bronzezeitliche See- und Handelsmacht etabliert. Vor allem der Tsunami dürfte der minoschen Hegemonie das Rückgrat gebrochen haben. Die Verluste an Schiffen und Seeleuten nach einer solchen Katastrophe waren sicher nicht von heute auf morgen zu ersetzen. Geradezu ein Beweis dafür ist die mykenische Invasion auf Kreta. Die griechischen Mykener hatten ihr staatliches Zentrum auf der Peloponnes. Der Tsunami hatte sie wahrscheinlich nur gestreift. In der Zeit nach der Thera-Eruption verloren die Minoer ihre vorherrschende Position innerhalb der mediterranen Welt. Dagegen wurden die Mykener immer mächtiger. Sie eroberten nicht nur Kreta sondern mischten auch verstärkt in Westanatolien mit. Die hethitische Großmacht sah das wohl nicht gerne. Aus archäologischen Befunden wird ein Handelsembargo der Hethiter gegen die Mykener abgeleitet.

Die Thera-Eruption wird zwischen 1600-1450 v. Chr. datiert. Beim italienischen Ätna wird ein schwerer Ausbruch um 1500-1200 v. Chr. vermutet. Um 1150-950 v. Chr. brach die isländische Hekla aus. Die Auswirkungen der Hekla-Eruption könnten global gewesen sein. Zumindest die als sicher geltenden Ausbrüche auf Thera (Santorin) und Island können eine klimatische Kettenreaktion ausgelöst haben die vor allem die landwirtschaftliche Produktion schwer beeinträchtigte. Bricht die Lebensmittelversorgung zusammen, kommt es zu verschärften Verteilungskämpfen, zu staatlichen Zusammenbrüchen und Migration. Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Blick auf die Zeit der Französischen Revolution und den Revolutionskriegen bzw. Napoleonischen Kriegen. Der Ausbruch des Lakagigar auf Island im Jahre 1783 brachte in Europa Missernten mit sich. Frankreich hatte gerade einen Weltkrieg gegen England verloren und war pleite. Politische und wirtschaftliche Instabilität waren die Folge. Missernten und Hungersnot wurden in dieser Situation zum berüchtigten Tropfen der das Fass zum überlaufen brachte und 1789 brach die Französische Revolution aus. Es folgte eine 25-jährige Chaos-Epoche in der praktisch kein Land in Europa ungeschoren davon kam bis Napoleon 1815 bei Waterloo endgültig die Bühne der Geschichte verließ. Pünktlich zum Entscheidungsjahr brach der indonesische Tambora aus und bescherte der Welt das »Jahr ohne Sommer«.

Es spricht also einiges dafür, dass in der mediterranen Bronzezeit Thera (Santorin) und Island den Stein ins Rollen brachten. Es folgten Klimawandel, Missernten, Hungersnot, Migration und Kriege. Den Schlusspunkt setzen die als Seevölker bezeichneten Invasoren und Migranten. Schon in der Antike hielt man die italienischen Etrusker für Einwanderer aus der Ägäis. Und neueste archäologische Forschungen deuten darauf, dass die Philister ägäisch-anatolische Auswanderer waren. Die heutigen Ländernamen Toskana und Palästina sind ein Erbe aus der untergehenden Bronzezeit.

Die Zeit der dramatischen Ereignisse um 1200 v. Chr. bleibt jedoch weitgehend im dunklen. Die wenigen schriftlichen Aufzeichnungen der Alten Ägypter oder Hethiter werfen mehr Fragen auf als sie beantworten. Was genau zwischen 1600 und 1200 v. Chr. vorging ist weiterhin eine spannende Frage. Der amerikanische Archäologe und Historiker Eric H. Cline hat den neuesten Stand der Forschung in seinem Buch 1177 v. Chr. – Der erste Untergang der Zivilisation zusammengefaßt. Obwohl Cline eine komplexe Kombination aus vielen Faktoren für den Untergang der mediterranen Bronzezeit verantwortlich macht, hält er die Thera-Eruption für nicht ausschlaggebend. Hekla und Ätna kommen in Clines Darstellung erst gar nicht vor. Cline hat sicher recht wenn er den Vulkanausbruch auf Thera nicht als unmittelbaren Grund anführt. Zwischen der Thera-Eruption und dem Seevölkersturm liegen maximal vierhundert Jahre, minimal zweihundertfünfzig Jahre. Doch die Mühlen der Natur mahlen langsam. Leider hat Cline in seinem ansonsten lesenswerten Buch keinen Sinn dafür.

Noch dunkler sieht es für bronzezeitliche Umbrüche in Indien und China aus. Hier fehlen zeitgenössische schriftliche Quellen komplett. Die Induskultur kollabierte um 1800 v. Chr. und der Untergang des bronzezeitlichen China in einer großen Flutkatastrophe gilt (ähnlich wie die biblische Geschichte von Sodom und Gomorra) als mythische Erzählung. Jüngst entdeckte geologische Spuren in China könnten aber auf eine Stauung des Gelben Flusses durch Erdbeben und Erdrutsche deuten, die wiederum zu einer Springflut führte. Die geologischen Spuren in China werden auf 1900 v. Chr. datiert. Das ist wiederum erstaunlich nah an der Datierung für die Induskultur. In Fachkreisen wird für den Untergang der Induskultur auch die Austrocknung wichtiger Flüsse durch tektonische Vorgänge in Erwägung gezogen.

***

»Seit 2005 graben Archäologen in der Gegend um Tall el-Hammam am Rande des Toten Meeres in Jordanien und glauben, das biblische Sodom gefunden zu haben. Denn ihre Hypothese passt auffallend zur biblischen Version des Untergangs von Sodom und Gomorra. Einst war die heute völlig zerstörte Stadt eine der größten Metropolen östlich vom Jordan, fünf- bis zehnmal größer als andere Städte in der Region. Die Stadt lag an einer wichtigen Handelsroute, war mit hohen Türmen und dicken Mauern befestigt und war umgeben von einer üppigen, gut gewässerten Landschaft. Vor rund 3600 Jahren [also um 1600 v. Chr.] aber wurde diese einst so mächtige Stadt urplötzlich zerstört und mit ihr wurde eine blühende Zivilisation der Bronzezeit vollständig ausgelöscht. (…) Bei der Meteoriten-Explosion über dem heutigen Tall el-Hamman hätten heftige Schockwellen der Studie zufolge auch große Mengen an Salz aufgewirbelt. Weil die extrem heiße Salzsohle aus dem Toten Meer auf die umliegenden Gebiete niederrieselte, verwandelte sich das einst fruchtbare Land in eine unfruchtbare Wüste. Das Team fand im Sediment rund um die zerstörte Stadt durchschnittlich einen Salzgehalt von vier Prozent und in einigen Fällen sogar von bis zu 25 Prozent. Dies könnte die „spätbronzezeitliche Lücke“ verursacht haben, so die Autoren der Studie. Denn zu jener Zeit verließen die Menschen das untere Jordantal, weil auf den einst fruchtbaren Böden nichts mehr wuchs. Auch hier sehen die Forschenden mögliche Bezüge zur Bibel. Kurz vor der Zerstörung der Stadt warnten Engel Lot, den Neffen von Abraham, die Stadt schnell zu verlassen und nicht zurückzuschauen. Lots Frau hört aber nicht auf die Engel, blickt zurück auf die Stadt zurück und erstarrt augenblicklich zur Salzsäule.«

»Übrigens haben schon 2008, drei Jahre nach Beginn der Grabungen am Roten Meer, zwei britische Astronomen eine hochinteressante These zum Meteoriten von Sodom vorgelegt: Laut Mark Hempsell und Alan Bond ist zu besagtem Zeitpunkt ein Asteroid nahe dem heutigen Ort Köfels in den Ötztaler Alpen eingeschlagen und wie ein Feuerball weiter Richtung Norden gerollt. Der Rauch und alle anderen Reststoffe des Aufpralls aber bogen sich in der Erdatmosphäre zurück Richtung östliches Mittelmeer und richteten dort die biblischen Verheerungen an. Mag sein, dass Ötzi, ein alpiner Lot, deswegen auf Gletscherhöhe geflohen war. Unser Nördlinger Ries, das seinen Meteoriteneinschlag durch vorschriftsmäßig kreisrund angeordnete Relikte nachweist, bekundet indes auf diese Weise: Irgendwann vor 4000 vor Christus muss es hier zugegangen sein wie in Sodom und Gomorra.«

»Kein Wunder, dass die Überlebenden noch Generationen später von der Katastrophe erzählten. Dass sie versuchten, eine Erklärung für den Feuersturm zu finden. So wie diese, aufgeschrieben im Buch Moses: „Da ließ der HERR Schwefel und Feuer regnen vom Himmel herab auf Sodom und Gomorrha und vernichtete die Städte und die ganze Gegend und alle Einwohner der Städte und was auf dem Lande gewachsen war.“ Mit dieser These machen sich Hempsell und Bond nicht gerade Freunde. Denn sie wildern in fremden Jagdgründen. „So genau konnten die Sumerer den Himmel gar nicht beobachten“, wettern die Archäologen. „Der Landrutsch von Köfels im Ötztal datiert rund 6000 Jahre früher“, schnauben die Geologen.«

»Nach einer anderen umstrittenen Hypothese der beiden Raumfahrtingenieure Alan Bond und Mark Hempsell könnten die Städte durch einen noch in der Luft weitgehend zerborstenen Meteoriten, den Köfels-Einschlag in den Ötztaler Alpen (vgl. Köfelsit), zerstört worden sein, ähnlich dem mutmaßlichen Meteoriten beim Tunguska-Ereignis. Das nachfolgende Material des Auswurfs trat in die höheren atmosphärischen Schichten ein und soll rund um die Mittelmeerregion, inklusive der Sahara-Region, niedergegangen sein und zu einer weitreichenden Zerstörung geführt haben. Nach Entzifferung der Himmelsscheibe von Ninive, einer sumerischen astronomischen Tonscheibe, die die Flugbahn eines hellen schnell fliegenden Objektes beschreibt, wurde von Bond und Hempsell ein Asteroideneinschlag am 29. Juni 3123 v. Chr. in den Alpen als Ursache vermutet. Die Keilschrift, so das Ergebnis ihrer Forschungen, ist die Kopie der Notizen eines sumerischen Astronomen, der seine Beobachtungen kurz vor Sonnenaufgang aufzeichnete.«

»Es ist unklar, wie sich die Minoische Eruption direkt oder indirekt auf die Zivilisation der Minoer ausgewirkt hat, da sie weder schriftliche noch bildliche Darstellungen der Katastrophe hinterlassen haben. Die bereits erwähnten archäologischen Zeugnisse sprechen „nur“ gegen eine plötzliche Zerstörung der minoischen Kultur durch die Eruption, mehr können sie nicht aussagen. Da die Insel Santorin als südlichste Kykladeninsel als einzige innerhalb einer Tagesreise von Kreta aus zu erreichen war, war sie der zentrale Trittstein für den Handel der Minoer nach Norden. Ein Netzwerkmodell des bronzezeitlichen Seehandels in der Ägäis lässt annehmen, dass die Vernichtung des Stützpunktes Akrotiri kurzfristig verstärkte Handelsanstrengungen über Alternativrouten ausgelöst hat. Langfristig hätte aber der erhöhte Aufwand den Fernhandel erheblich eingeschränkt, so dass der Niedergang der minoischen Kultur indirekt durch den Vulkanausbruch gefördert worden sein kann.«

»Geologische Untersuchungen wiesen eine gewaltige Eruption des Ätnas um 1500 v. Chr. nach. Laut Diodorus Siculus veranlasste ein Ausbruch des Ätna vor dem Troianischen Krieg die Sikaner, den Osten Siziliens zu verlassen und sich ins Landesinnere zurückzuziehen. Die ehemals sikanischen Siedlungsplätze sollen danach Sikeler eingenommen haben, die vom italienischen Festland einwanderten. Giuseppe Gemellaro datierte diese Eruption Mitte des 19. Jahrhunderts in das Jahr 1226 v. Chr., aber bereits George F. Rodwell bezeichnete diese Berechnung – sowie von Gemellaro angegebene Daten zweier angeblichen Eruptionen im 12. Jahrhundert v. Chr. – 1878 als „wertlos“, da ausschließlich auf Auswertungen antiker Mythen basierend. Die modernere archäologische Forschung fand heraus, dass sich um die Mitte des 13. Jahrhunderts an der Ostküste Siziliens ein einschneidender kultureller Bruch ereignete, der mit der Ankunft der Sikeler zu verbinden ist. Ob damit auch der Ausbruch, den Diodorus Siculus schildert, in die Mitte des 13. Jahrhunderts v. Chr. zu datieren ist, muss offen bleiben, da andere antike Quellen keinen zeitlichen Zusammenhang einer Ätna-Eruption mit der Einwanderung der Sikeler nennen.«

»Die H3-Eruption der Hekla — Bei diesem Ausbruch handelt es sich um einen sehr bedeutenden Ausbruch in vorhistorischer Zeit. Er ereignete sich um 1159 v. Chr. und gilt als schwerster Ausbruch der Hekla im Holozän. Dabei wurden 7,3 km³ Tephra in die Atmosphäre geschleudert, so dass diese Eruption auf der heutigen Messskala für Vulkanausbrüche VEI auf der Stufe 5 steht. Dabei wurde ganz Island von einer Tephralage bedeckt. Eine weitere Folge war sicherlich eine jahrelange Abkühlung der Nördlichen Hemisphäre, die sich auf Orkney nachweisen lässt. Uneinigkeit besteht bezüglich der genauen Datierung. Andy Baker datierte die Eruption auf 1135 ± 130 v. Chr. aufgrund von Untersuchungen bzgl. der Vegetation in Irland sowie des Grönlandeises. Dabei fand man in Bäumen und Baumresten besonders enge Jahresringe. Jedoch existiert auch ein Datierungsversuch (Dagmore u. a.) um 929 ± 34 v. Chr. Einige Ägyptologen und die Wissenschaftler von Orkney datieren den Ausbruch auf 1159 v. Chr., weil dies z. B. Missernten und Hungersnöte unter der Regierung von Ramses III. erkläre. Eine dritte Gruppe von Wissenschaftlern hat sich auf eine Datierung um 1050 v. Chr. (3000 BP) geeinigt.«

»Die ausgehende Bronzezeit muss ein Goldenes Zeitalter gewesen sein – eine Hochkonjunktur der Frühgeschichte. Die Mykener in Griechenland, die Hethiter in Anatolien, die Ägypter in Nordafrika waren die Säulen, auf denen viele kleinere Reiche ihren Wohlstand aufbauten. Es herrschte Globalisierung im 14. und 15. Jahrhundert v.Chr. (…) Dann kam der Kollaps. Um 1200 v.Chr. verschwanden ganze Städte. In Anatolien gaben die Hethiter ihre Hauptstadt Hattuscha auf, das Großreich verlor seine Zentralgewalt und zerbrach. Etwa gleichzeitig versanken die hethitischen Städte Alaca Höyük, Masat Höyük, Mersin, Tarsus, Kayalipinar und Kusakli. Dasselbe geschah in Griechenland. Dort ging das mächtige Mykene ebenso unter wie Tyrins, Pylos, Theben, Katsingri, Korakou, Iria und Messenia. „ Überall hingen Rauchwolken in der Luft“, beschreibt der britische Ägyptologe Toby Wilkinson das Szenario. (…) Das war der Beginn einer buchstäblich heißen Phase. Dürren verwüsteten die Ägäis, Anatolien und die Levante. Sie hinterließen deutliche Spuren, zum Beispiel im Voulkaria-See auf dem griechischen Festland. In den Bodensedimenten der späten Bronzezeit fanden Archäologen Pollenkörner, aus deren Kohlenstoff-Isotopen die Wissenschaftler ablesen konnten, dass sich die Pflanzen an ein trockeneres Klima angepasst hatten. In den Forschern keimte der Verdacht: Neben vielen Veränderungen und Krisen mussten die Menschen der Bronzezeit auch noch mit einem Klimawandel fertig werden. (…) Nicht viel anders scheint es den Hethitern in Anatolien ergangen zu sein. Auch dort trieb eine Verkettung verhängnisvoller Umstände das Großreich in den Kollaps. Missernten setzten die Herrscher wirtschaftlich unter Druck, Unruhen und Thronstreitigkeiten brachten das Reich in seinem Innersten zum Wanken. Darauf deuten die Textquellen hin. „Alles spricht für eine schleichende Auflösung des hethitischen Wirtschafts- und Sozialgefüges – verursacht durch verschiedene Faktoren“, erklärt Andreas Schachner vom Deutschen Archäologischen Institut in Istanbul. Wie seine Grabungen in Hattuscha ergaben, hatten nicht Feinde die Stadt überrannt, da die wenigen zerstörten Bauten bereits leer standen, als sie niederbrannten. „Sondern die missliche Lage zwang die Hethiter, ihre Stadt zu verlassen.“ Zudem ging durch den Angriff der Seevölker Ugarit verloren, ein wichtiger Vasall und Handelspartner in der Levante.«

»In der späten Bronzezeit vor 3200 Jahren kollabierten im östlichen Mittelmeer-Raum auf einen Schlag mehrere Hochkulturen. Dass dies durch eine Abfolge komplexer Ereignisse ausgelöst wurde, an deren Anfang ein Klimawandel stand, hat jetzt ein internationales Forscherteam nachgewiesen. Im Online-Magazin „PLOS ONE“ berichten die Wissenschaftler, dass durch die Klimaveränderungen zunächst Missernten und Hungersnöte ausgelöst wurden. Als Folge davon kam es in der Region zu Völkerwanderungen und Kriegen. Bekanntestes Beispiel dafür waren die Invasionen der „Seevölker“, über die unter anderem in ägyptischen Quellen ausführlich berichtet wird. Am Ende stand dann der politisch-ökonomische Kollaps von Kulturen. (…) Betroffen von den regionalen Veränderungen waren unter anderen die mykenische Kultur, die Hethiter, die Völker des vorderen Orients sowie Ägypten. Das belegen auch Keilschrift-Tafeln und die Korrespondenz zwischen den Königen der Länder. Die Insel Zypern lag genau im Zentrum dieser antiken Zivilisationen und hatte Handelsbeziehungen zu allen Völkern der Region. Daher eigne sie sich sehr gut als Referenz für die Entwicklungen im östlichen Mittelmeerraum, meinen die Forscher. So war der Salzsee südwestlich von Larnaka einstmals als Bucht mit dem Meer verbunden und beherbergte einen florierenden Hafen. Im Verlauf der Klimaveränderungen trocknete er dann immer mehr aus – und am Ende blieb der vom Land umschlossene Salzsee.«

»Es gab also in der späten Bronzezeit vom 15. bis 13. Jahrhundert v. Chr. in der Ägäis und im östlichen Mittelmeerraum verschiedene voneinander unabhängige Zivilisationen, die in ihrer Blütezeit enge Handelsbeziehungen unterhielten. Dazu gehörten die Mykener, Minoer, Zyprioten, Hethiter, Assyrer, Mittani, Babylonier, Kanaaniter und die Ägypter. Am Ende der späten Bronzezeit wurden viele Städte zerstört und das Leben, das ihre Bewohner bis dahin gekannt hatten kam um 1177 v. Chr. oder kurz danach zu einem Ende. Doch was diesen Zusammenbruch der Zivilisation der damaligen Welt verursachte ist nicht klar. Die bisherige Erklärung für den Untergang ist zu einfach. Es ist jedoch offensichtlich, dass es sowohl Dürren, als auch Hungersnöte, sowie Erdbeben, Rebellionen und Invasoren gab. Eines, zwei vielleicht auch drei solcher Ereignisse gleichzeitig konnten sich die damaligen Hochkulturen wahrscheinlich noch erwehren. Kamen jedoch alle gleichzeitig ins Spiel, was vermutlich der Fall war, mussten sie sich geschlagen geben. Eric Cline glaubt, dass die damaligen Kulturen so eng miteinander vernetzt waren, dass bereits der Fall eines oder zweier Reiche auch den Untergang der anderen Reiche nach sich gezogen hätte, wie bei einem Domino-Effekt. Denn alle waren etwa vom Kupfer abhängig, über das die Zyprioten verfügten. Eine Destabilisierung der Mykener oder Hethiter hätte dann auch Schwierigkeiten für die anderen Kulturen bedeutet, die auf sie angewiesen waren.«

»Nach Cline (2014), Bell (2006) oder schon Renfrew (1979) und anderen sind die Wirkungen der Seevölker als ein Teil in einem komplexen Geschehens zu deuten, das den Übergang der späten Bronzezeit in die frühe Eisenzeit markiert („Dunkles Jahrhundert“) und das in einer Kombination von Naturkatastrophen, wie Erdbeben bzw. Erdbebensturm, Hekla-Eruption, Dürreperioden durch klimatische Veränderungen, Migration und Störung von Handelswegen der spätbronzezeitlichen Kulturen und Invasionen zu einem Systemkollaps in den verschiedenen Kulturen, etwa der Mykener, Minoer, Hethiter, Ägypter, Kanaaniter, Zyprer, Assyrer, Mitanni, Kassiten usw. führte.«

»Zum Gründungsmythos Chinas gehört eine „Große Flut“ vor mehr als 4000 Jahren – und ein legendärer Held, der diese Flut bezwang. Jetzt belegt eine Studie erstmals, dass es diese Flut am Gelben Fluss tatsächlich gegeben haben könnte. Indizien sprechen für eine katastrophale Überschwemmung durch einen Erdrutsch und darauffolgenden Dammbruch, die sich um 1900 v.Chr. in einer Schlucht des Gelben Flusses ereigneten. Sollte sich dies bestätigen, könnte der Gründungsmythos Chinas auf wahren Ereignissen beruhen.«

»Über 700 Jahre lebten die Menschen der Indus-Zivilisation in Wohlstand, und ihre Handwerker fertigten Produkte von großer Schönheit und Qualität. Ab etwa 2000 v. Chr. kamen anscheinend größere Probleme auf, deren Art nicht bekannt ist, die aber zeitlich ungefähr mit Übergangsperioden in Ägypten bzw. Mesopotamien zusammenfielen (Übergang zum Mittleren Reich in Ägypten, bzw. Ende des Reiches von Ur-III in Mesopotamien). Die großen Städte wurden verlassen, und diejenigen Einwohner, die blieben, waren unterernährt. Um 1800 v. Chr. waren die meisten Städte aufgegeben. (…) Wichtig könnte das Austrocknen großer Teile des Ghaggar-Hakra-Flusssystems (siehe auch Sarasvati) gewesen sein, dessen Quelle durch tektonische Vorgänge in die Gangesebene umgeleitet wurde. Es gibt einige Unsicherheiten über den genauen Zeitpunkt dieses Ereignisses. Durch das Austrocknen des Ghaggra-Hakra ging ein bedeutender Teil des fruchtbaren Ackerlandes verloren.«

»Eine der größten Katastrophen der Neuzeit erlebte Island 1783, als der Lakagigar ausbrach und den Himmel monatelang verdunkelte. Die Aschewolke und mit ihr ein unangenehmer Schwefelgeruch verbreiteten sich damals bis tief auf das europäische Festland. Manche Historiker meinen, der isländische Vulkan sei verantwortlich für die französische Missernte von 1788 und damit indirekt der Auslöser der Französischen Revolution. In Island jedenfalls vergiftete ein Ascheregen damals die Ernte und ließ das Vieh auf den Weiden verenden. Tausende Menschen starben.«

»Als das Jahr ohne Sommer wird das vor allem im Nordosten Amerikas sowie im Westen und Süden Europas ungewöhnlich kalte Jahr 1816 bezeichnet. In den Vereinigten Staaten bekam es den Spitznamen „Eighteen hundred and froze to death“, und auch in Deutschland wurde es als das Elendsjahr „Achtzehnhundertunderfroren“ berüchtigt. Als Hauptursache wird heute der Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 angesehen, der von Vulkanologen als deutlich stärker eingestuft wird als der Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. und jener des Krakatau 1883.«

Minoische Eruption (Wikipedia)

Seevölker (Wikipedia)

Bronzezeit (Wikipedia)

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